Diskurs

Wir glauben an die Zukunft des Kinos!

…schon fast eine Provokation angesichts der extremen Veränderungen der Freizeitkultur und des individuellen Medienkonsums. Hat Kino wirklich eine Zukunft? Welche Form von Kino hat überhaupt Chancen den Herausforderungen der Digitalisierung ein überzeugendes Konzept entgegenzustellen?

Wir eröffnen ein neues Kino und diskutieren natürlich seit Jahren die Frage, welches Konzept über die nächsten Jahre bestehen kann? Viele Freunde fragen, warum tut ihr euch das an, so viel in ein Projekt zu investieren, welches erst nach zehn Jahren richtig wirtschaftlich sein kann? Und wer weiß schon was in zehn Jahren ist? Warum wollt ihr ein über 30 Jahre altes Kiezkino so radikal umbauen?

Es geht wie so oft um Gentrifizierung, um Verdrängung und um die „Erhöhung der Wohnqualität“. Das Haus in dem das EISZEIT lange unbehelligt blieb, wurde hintereinander mehrfach verkauft, die Preise stiegen und damit auch der Druck auf den neuen Eigentümer. Das Kino, in der ersten Etage im Fabrikgebäude gelegen (der ideale Ort für schicke Lofts!!!), störte nicht nur die Nachtruhe der Nachbarn, sondern auch die Umbaupläne erheblich. Das Bauamt konnte den Bauantrag des Investors erst genehmigen, nachdem eine Lösung für das Kino gefunden war. Da uns gleichzeitig ein sehr langfristiger Mietvertrag schützte, war der neue Hauseigentümer gefragt, eine Lösung anzubieten. So wurde der Kompromiss entwickelt, das Kino von der Straße aus zugänglich zu machen und alles insgesamt etwas größer zu gestalten. Uns kommt dabei sehr entgegen, dass wir in einem großen Foyer mit Bar und Restaurant auch neue und interessante Veranstaltungsformen anbieten können. Der Kompromiss, den wir dabei mit unserem Vermieter gefunden haben, ermöglicht uns langfristig eine halbwegs erträgliche Miete und die Finanzierung eines Teils der Baukosten. Glück gehabt! Wir haben uns nicht verdrängen lassen und machen weiter! Die Alternative wäre gewesen, das  EISZEIT zu schließen. Einen Umzug mit komplettem Neuanfang hätten wir nicht finanzieren können.

Weniger Glück hatten die Mieter im Vorderhaus. Die Wohnungen sollen mit erheblichem Aufwand modernisiert werden. Die Folgen sind bekannt. Die Hausbewohner wehren sich gegen teilweise drastische Mieterhöhungen.

Kino hatte immer genau das, was aktuell in vielen gesellschaftlichen Bereichen zunehmend wichtiger wird: Kino war immer nachhaltig. Gute Filme liefen viele Wochen, konnten sich „entwickeln“, das Angebot war überschaubar. Das bedeutete allerdings nicht nur Slowfood für das Auge, auch wirtschaftlich hat sich seit Jahrzehnten nichts verändert. Durch die Digitalisierung von Produktion, Vertrieb und Vorführung steht jetzt das gesamte Geschäftsmodell auf dem Prüfstand. Nur ein Thema angesichts der Veränderungen von Medienkonsum und Freizeitverhalten. Es werden immer mehr Filme angeboten, es wird billiger Filme zu produzieren und die Filmkopie für das einzelne Kino kostet keine tausend Euro mehr, wie die analogen Kopien bisher.

Was das alles für Folgen hat, wollen wir in den nächsten Monaten bis zur Neueröffnung des EISZEIT mit euch diskutieren, wir hoffen auf Anregungen und möchten gleichzeitig über den Entwicklungsstand informieren. Nicht nur was den Baufortschritt angeht, sondern auch wohin inhaltlich die Reise gehen könnte… Das EISZEIT war immer ein Kino, in dem es um mehr ging als nur um gute Unterhaltung. Auch im neuen Kino soll Platz sein für politische Filme. Es soll ein Raum geschaffen werden für Kommunikation, Streitkultur und schräge Unterhaltung. Und gemütlich soll es sein, wie ein Wohnzimmer für gute Filme eben zu sein hat. Dazu gehört auch, unsere konzeptionellen Ansätze und Überlegungen öffentlich zu führen und zumindest diejenigen, die sich ein wenig für Filmpolitik interessieren einzuladen, an unserem Kopfkino teilzunehmen.