Der Stand der Dinge

Eine erste Zwischenbilanz des Umbaus

Seit Mitte März ist das schöne alte EISZEIT Kino geschlossen. Die Bauarbeiten am Rohbau für das neue Kino laufen seit Dezember letzten Jahres. Geplant war die Fertigstellung des Rohbaus bis Mitte April, der Ausbau und die Einrichtung sollten in fünf Monaten erledigt sein, damit schien eine Eröffnung Mitte bis Ende Oktober nicht zu optimistisch zu sein. Leider ist bisher so ziemlich alles anders gelaufen als geplant. Allmählich kommt ein gewisses Verständnis für das Flughafen-Desaster auf. Der Rohbau ist immer noch nicht fertig und es ist auch nicht absehbar, wann das der Fall sein wird. Wir sind also inzwischen fast fünf Monate im Rückstand und eine Eröffnung in diesem Jahr erscheint unwahrscheinlich. Viele Freunde mit Bauerfahrung behaupten zwar, bis zu einem gewissen Punkt erscheint alles aussichtslos und dann geht plötzlich alles sehr schnell, aber aktuell sind wir nicht besonders optimistisch. Woran liegt das? Was sind die Gründe für eine solche Verzögerung? Wie immer gibt es nicht einen einzelnen Grund, sondern eine ganze Kette von Gründen, die zusammenspielen. Jeder einzelne Faktor für sich ist nicht ausschlaggebend, aber alles zusammen wirkt sich entsprechend negativ aus.

Der Start war schon recht holprig, weil die Abstimmung zwischen den Planern und dem Bauherrn sich als äußerst zäh darstellte. Die Pläne des Eigentümers mussten oft angepasst werden, vieles wurde schlicht zu teuer, wie z.B. der Wunsch des Vermieters, seine Mieter mit einer Tiefgarage zu beglücken. Die verschleppte Entscheidung ob im Quergebäude nun teure Loftwohnungen oder doch lieber Gewerbe entstehen sollte, verzögerte die Haustechnikplanung. Es war lange unklar wo welche Rohre und Leitungen durch die unten liegenden Kinosäle geführt werden sollten, dadurch wurde die Kinoplanung nicht fertig, Das nächste Problem bestand in drei riesigen Containern mit Bauschutt, die die Baustelle derart behinderten, dass nichts angeliefert oder vor dem Haus abgestellt werden konnte. Es gab drei Monate lang keine Genehmigung für die Entsorgung des Bauschutts. Kein Witz! Ob schlechte Planung oder Behördenwahnsinn kann niemand beurteilen, vermutlich spielt beides zusammen. Der eigentliche Knackpunkt und der Grund warum der Rohbau immer noch klemmt, ist tatsächlich auf einen gravierenden Planungsfehler zurückzuführen. Der Vermieter und sein Verwalter waren sich ihres Plans so sicher, die Mieter mit einer Luxusmodernisierung und anschließend teureren Mieten zu erfreuen, dass sie für den Fall, dass die Mieter die angedrohte Modernisierungsvereinbarung nicht unterschreiben würden, schlicht vergessen haben eine alternative Planung zu entwickeln. Die Herren hatten und haben bis heute keinen Plan B. Zur Verdeutlichung: das neue Kino soll im Erdgeschoss und im Keller gebaut werden, Grundrisse müssen verändert und Wände abgerissen werden. Wie in jedem Haus laufen sämtliche Leitungen, Kabel, Kanäle und Schornsteine vom Dach bis in den Keller durch alle Etagen. Wenn wir im Kino also eine Wand abreißen wollen, kann es natürlich sein, dass sich in dieser Wand Schornsteinzüge befinden, oder Gasleitungen oder Wasser- und Abwasserrohre. Einen Plan B zu haben hätte bedeutet, diese von den Mietern im Vorderhaus genutzten Leitungen umzuverlegen, sie einfach im Keller und im zukünftigen Kino woanders lang zu führen, ohne die Weiternutzung in den Wohnungen darüber zu beeinträchtigen oder zu verhindern. Aber diesen Plan B gibt es wie gesagt nicht. Im Gegenteil wurde mit teilweise recht fragwürdigen Methoden versucht Rohr für Rohr und Schornstein für Schornstein abzuklemmen, was zu völlig berechtigtem Widerstand im Haus geführt hat. Seit vielen Wochen ist die Situation bekannt und ausweglos. Trotzdem wird nichts unternommen um diese dringend nötigen Alternativplanungen voran zu bringen. Der Eigentümer glaubt offensichtlich immer noch, dass er sich durchsetzen kann.

Am Mittwoch, den 08.07. um 18.00 Uhr, findet eine öffentliche Sitzung des Kreuzberger Bauausschusses im Rathaus Kreuzberg statt. Es geht um Modernisierung in Milieuschutzgebieten, auch die Zeughofstraße 20 wird dort zum Thema. Bei Interesse am Thema bitte unbedingt hingehen!

Wir hoffen weiter auf einen beschleunigten Bauablauf und informieren wie es weitergeht. Im September freuen wir uns schon auf einen Baustellenrundgang zu dem wir euch alle einladen wollen. Und vielleicht zeigen wir dann schon mal wieder einen Film!